Coffeemakers Magazin

Drei bis vier Tassen Kaffee verlangsamen die biologische Uhr

Der Duft von frisch gemahlenen Bohnen, das sanfte Dampfen der Tasse in der Morgensonne – für Millionen von Deutschen ist Kaffee weit mehr als ein bloßer Koffeinkick. Doch während wir unser Lieblingsgetränk bisher vor allem für seine belebende Wirkung schätzten, nimmt Altersforschung Kaffee aus anderen Gründen unter die Lupe. Wissenschaftler des King’s College London und der Universität Oslo lieferten zu dem Thema kürzlich regelrecht spektakuläre Erkenntnisse. Eine aktuelle Studie im Fachmagazin BMJ Mental Health deutet darauf hin, dass Kaffee tatsächlich als biologischer Schutzschild fungieren kann. Besonders bemerkenswert: Dieser „Verjüngungseffekt“ zeigt sich markant bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, deren Zellen oft unter enormem biologischen Stress stehen. Doch wie genau gelingt es dem schwarzen Gold, unsere innere Uhr zu beeinflussen?

Das Geheimnis der Telomere: Die Schutzkappen unserer DNA

Um den Verjüngungseffekt zu verstehen, müssen wir auf die molekulare Ebene blicken, dorthin, wo unsere biologische Uhr tickt: zu den Telomeren.

  • Was sind Telomere? Stellen Sie sich die Telomere wie die Kunststoffkappen an den Enden von Schnürsenkeln vor. Sie verhindern, dass unsere Chromosomen – die Träger unserer Erbinformation – bei der Zellteilung ausfransen oder beschädigt werden.
  • Der Alterungsprozess: Mit jeder Zellteilung werden diese Kappen ein Stück kürzer. Sind sie aufgebraucht, kann sich die Zelle nicht mehr regenerieren und stirbt ab. Die Telomerlänge ist daher ein präziser Indikator für unser biologisches Alter.
  • Die klinische Herausforderung: Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen (Severe Mental Disorders, SMD) wie Schizophrenie, bipolarer Störung oder schwerer Depression mit Psychose tragen eine schwere Last. Studien zeigen, dass der chronische biologische Stress bei diesen Diagnosen die Telomere schneller schrumpfen lässt. Die Folge ist eine oft um bis zu 15 Jahre verkürzte Lebenserwartung im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

Genau hier setzt die neue Forschung an: Kann ein alltägliches Genussmittel diesen Prozess der beschleunigten Alterung verlangsamen?

3 bis 4 Tassen für maximale Wirkung

Die Forscher analysierten Daten von 436 Teilnehmern der norwegischen Studie. Das Ergebnis war verblüffend und folgte einer sogenannten „umgekehrten J-Form“ (Inverted J-shape). Das bedeutet: Mehr ist nicht automatisch besser – die richtige Dosis ist entscheidend.

Grafik, die den Zusammenhang zwischen Kaffeetassen und Telomere behandelt
Der Zusammenhang zwischen getrunkenen Tassen und der Auswirkung auf Telomere im menschlichen Körper. (Quelle: Coffee intake is associated with telomere length in severe mental disorders)

Die Studie verdeutlicht die Auswirkungen je nach täglichem Konsum:

  • 0 Tassen: Die kürzesten Telomere im Vergleich. Hier fehlt der schützende Effekt der Kaffeewirkstoffe.
  • 1–2 Tassen: Erste positive Tendenzen einer längeren Zellstabilität werden sichtbar.
  • 3–4 Tassen: Hier erreichten die Probanden die maximale Telomerlänge. Statistisch gesehen entsprach dies einem um fünf Jahre jüngeren biologischen Alter im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern.
  • 5 und mehr Tassen: Der Effekt kippt. Bei exzessivem Konsum verkürzen sich die Telomere wieder, was vermutlich auf die negativen Auswirkungen von zu viel reinem Koffein zurückzuführen ist.

Dieser Zusammenhang blieb stabil, selbst wenn Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft und die Einnahme von Medikamenten herausgerechnet wurden.

Die Chemie des Glücks: Warum Kaffee die Zellen schützt

Warum aber wirkt Kaffee wie ein Jungbrunnen? Die Antwort liegt in einem komplexen Cocktail aus Hunderten bioaktiven Substanzen, die weit über das Koffein hinausgehen.

Kaffee enthält Wirkstoffe wie Chlorogensäure (CGA), Trigonellin und Melanoidine. Diese fungieren nicht nur als Antioxidantien, sondern aktivieren im Körper den sogenannten Nrf2-Pfad – ein körpereigenes Alarmsystem, das die Zellen vor oxidativem Stress und chronischen Entzündungen schützt. Da genau diese Prozesse bei Schizophrenie und bipolaren Störungen oft fehlgesteuert sind, bietet Kaffee hier einen gezielten biologischen Gegenpol.

Die Wissenschaft geht jedoch noch einen Schritt tiefer: Die Inhaltsstoffe beeinflussen einen sogenannten Signalweg, der das TERT-Gen aktiviert. Dieses Gen steuert die Telomerase – ein Enzym, das Telomere nicht nur schützt, sondern sie theoretisch sogar wieder verlängern kann. Während reines Koffein in hohen Dosen laut anderen Studien die Telomere eher verkürzt, scheint die Gesamtmischung des Kaffees in moderaten Mengen die zelluläre Regeneration aktiv zu fördern.

Kaffee genießen kann die Gesundheit verbessern

Die Forschung vom King’s College London ist ein starkes Plädoyer für den bewussten Kaffeegenuss. Auch wenn es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die noch durch Langzeituntersuchungen bestätigt werden muss, ist die Kernbotschaft klar: Für Menschen, die unter hoher psychischer und biologischer Belastung stehen, kann Kaffee ein wertvoller, einfach modifizierbarer Lebensstilfaktor sein, um der vorzeitigen Zellalterung entgegenzuwirken.

Quellen:

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Tobias Hoffmannswald, geboren und aufgewachsen in Stuttgart, entdeckte seine Leidenschaft für Kaffee bereits in jungen Jahren. Verantwortlich dafür machte er den Duft frischen Kaffees, der stets in der Bäckerei seiner Eltern lag. Nachdem er die Schule abgeschlossen hatte, zog es Tobias hinaus in die Welt. Seine Faszination für Kaffee führte ihn nach Mittelamerika, wo er sich in Honduras und später El Salvador den Kaffeeanbau ganz genau ansah. Zurück in Deutschland, entschied sich Tobias, seine Begeisterung für Kaffee zu professionalisieren. Er ließ sich zum Barista ausbilden. Mit frisch erworbenem Fachwissen und einer tiefen Wertschätzung für die Kunst des Kaffees suchte Tobias nach Möglichkeiten, seine Vision zu teilen und anderen die Welt des Kaffees näherzubringen. Über den ein oder anderen Umweg fand er diese Möglichkeit schließlich in Würzburg, wo er seit 2023 das Team von KaffeeTechnik Seubert mit seinem Baristaskills unterstützt.

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