Coffeemakers Magazin

Cascaraaufgruss – ein neuer Trend?

Bisher war vor allem der Kern der Kaffeekirsche begehrt, unter dem Schlagwort Cascara könnte jetzt das Fruchtfleisch in den Fokus geraten. Während die Bohne jahrhundertelang die Hauptrolle spielte, tritt nun der oft übersehene Rest der Kirsche langsam aus dem Schatten und wirft ein neues Licht auf das, was Kaffee eigentlich ist.

Ein Großteil der westlichen Kaffeetrinker assoziiert mit Kaffee die braune Bohne – den gerösteten Kern, der in Mühlen, Maschinen und Trinkgewohnheiten dominiert. Dass das den Kirschkern umgebende Fruchtfleisch ebenfalls Koffein enthält und geschmacklich spannende Noten mitbringt, blieb hierzulande lange ein Randthema. Mit Cascara könnte sich das jedoch ändern – nicht zuletzt, weil Nachhaltigkeit und neue Geschmackserlebnisse zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Was bedeutet Cascara?

Cascara bedeutet wörtlich „Pulpe der Kaffeekirsche“. Seit Februar letzten Jahres darf das getrocknete Fruchtfleisch offiziell in die EU eingeführt werden. Für den späteren Konsum wird es weder geröstet noch gemahlen. Stattdessen werden die getrockneten Schalen oder Fruchtfleischstücke wie Tee aufgebrüht. Das Ergebnis ist ein helles, fruchtiges Getränk, das an einen leicht würzigen Kräutertee erinnert – allerdings mit einem kräftigen energetischen Unterton.

Cascara wird häufig aus sortenreinen Ernten gewonnen. Die Art der Aufbereitung – ob sonnengetrocknet, gewaschen oder fermentiert – beeinflusst den Geschmack ähnlich stark wie bei Kaffee selbst. Dadurch entsteht eine Bandbreite von Aromen, die von Rosinen und Hibiskus bis zu Honig und dunkler Kirsche reichen kann.

Ein alter Bekannter

In den Ursprungsländern des Kaffees ist Cascara keineswegs ein Trend der Moderne, sondern ein traditionelles Alltagsgetränk. Seit Jahrhunderten werden die Schalen weiterverarbeitet, oft zusammen mit Gewürzen wie Zimt oder Ingwer. Früher wurde der warme Cascara-Tee vor allem zum Frühstück getrunken – manchmal ergänzt durch Milch und Honig –, und galt über lange Zeit als einfacher, aber kräftiger Energiespender.

Aufgrund seines geringen Preises wurde das Getränk oft als „Kaffee für arme Leute“ bezeichnet. Doch dieser Ruf täuscht: In vielen Regionen war Cascara Teil der kulturellen Identität und diente nicht nur als Ersatz, sondern als eigenständige Tradition.

Auch in Europa gab es vor der offiziellen Importfreigabe bereits eine leise Nachfrage. Vor allem kleine, nachhaltig orientierte Röstereien erkannten früh das Potenzial und holten Cascara dank Sondergenehmigungen ins Programm. Für viele Konsumenten wurde er zu einer spannenden Alternative – aromatisch, koffeinreich und ökologisch sinnvoll, da er ein Nebenprodukt der Kaffeeproduktion verwertet.

Kleine Koffeinbomben

Für alle, die Kaffee vor allem als Koffeinlieferanten schätzen, lohnt sich ein Blick auf Cascara-Tee besonders. Die getrockneten Schalen enthalten teils deutlich mehr Koffein als die Bohnen selbst. In einer normalen Tasse landen so schnell sechs- bis achtmal so viel Koffein wie bei der gleichen Menge Kaffee. Das macht Cascara zu einem Getränk, das energetisch in einer ganz eigenen Liga spielt.

Die hohe Koffeinkonzentration erklärt sich daraus, dass sich ein großer Teil des Koffeins während der Reifung in der gesamten Kirsche verteilt. Beim klassischen Kaffeekonsum landet jedoch nur der Bohnenanteil in der Tasse. Cascara hingegen erschließt das, was bislang oft ungenutzt blieb.

Damit wird das Getränk gleich doppelt attraktiv: Geschmacksabenteuer für neugierige Genießer, Koffeinreserven für lange Tage – und ein kleiner Schritt hin zu einer ressourcenschonenderen Kaffeeproduktion.

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