Weißer Kaffee zur weißen Weihnacht?
Zusammenfassung: Weißer Kaffee ist weit mehr als nur eine hellere Variante; er ist eine faszinierende Reise zurück zu den ursprünglichen Aromen der Kaffeebohne. Mit seiner geringen Röstung – einer Tradition, die ihre Wurzeln im Jemen hat – bietet er ein Geschmacksprofil, das von lebhafter, erfrischender Säure und Noten von Zitrus, Nüssen und Kräutern dominiert wird. Er ist das perfekte Experimentierfeld für Liebhaber, die den klassischen Röstgeschmack einmal hinter sich lassen wollen. Die Annahme, es handle sich um eine Koffein-Bombe, ist widerlegt, der tatsächliche Mehrwert ist gering. Das Wichtigste ist jedoch die Handhabung: Aufgrund ihrer extremen Härte sind diese Bohnen Gift für die feinen Mahlwerke von Kaffeevollautomaten.
Weißer Kaffee ist ein faszinierendes Getränk, das viele Kaffeefans überrascht – nicht nur wegen seiner ungewöhnlich hellen Farbe, sondern auch aufgrund seiner besonderen Aromen und der speziellen Art der Zubereitung. In diesem erweiterten Artikel erfahren Sie ausführlich, wie weißer Kaffee entsteht, woher er stammt, wie er schmeckt, welchen Einfluss die Röstung auf Koffein und Säure hat – und warum Sie ihn unter keinen Umständen in einem Kaffeevollautomaten verwenden sollten.
Was ist weißer Kaffee?
Rohe Kaffeebohnen sind von Natur aus grün. Während des Röstprozesses verändern sie ihre Farbe je nach Röstgrad von hell- bis dunkelbraun. Doch eine Besonderheit sticht hervor: weißer Kaffee, ein Kaffee, der durch eine extrem kurze, sehr schonende Röstung entsteht.
Es handelt sich dabei nicht um eine besondere Kaffeesorte und auch nicht um gebleichte Bohnen. Vielmehr erreichen die Kaffeebohnen während der frühen Röstphase einen sehr hellen, fast weißen Farbton, der nur entsteht, wenn die Röstung frühzeitig beendet wird. Je nach Bohnenqualität und Ausgangsfeuchtigkeit wirken sie anschließend beige bis fast weiß und behalten einen großen Teil ihrer ursprünglichen Struktur und Härte.
Diese ungewöhnlich kurze Röstung bewirkt, dass viele der ursprünglichen Bestandteile der Bohne – darunter Säuren und komplexe Aromastoffe – weitgehend erhalten bleiben. Dadurch unterscheidet sich weißer Kaffee sensorisch und chemisch stark von klassischen Röstkaffees.
Ursprung: Tradition aus dem Jemen
Die Herkunft des weißen Kaffees wird seit Jahrhunderten im Jemen verortet, einem der ältesten Kaffeeanbaugebiete der Welt. Im Jemen röstet man den Kaffee traditionell in einer einfachen Pfanne über offenem Feuer. Dabei wird die Hitze deutlich kürzer und milder gehalten, was zu den hellen Bohnen führt.
Typisch für die jemenitische Zubereitung ist die Zugabe von Gewürzen wie:
- Kardamom,
- Nelke,
- Muskatnuss.
Diese Gewürze verleihen dem weißen Kaffee eine besondere Note, die ihn von klassischen Kaffees deutlich unterscheidet.
Unser Tipp: Fragen Sie im Gewürzhandel gezielt nach einem Kaffeegewürz, die Mischung ist auch in diesem Fall eine gute Wahl
Geschmack und Aromen – überraschend vielseitig
Viele Kaffeetrinker erwarten, dass weißer Kaffee mild und leicht schmeckt. Tatsächlich ist er jedoch oft deutlich aromatischer, als man vermuten würde. Da während der kurzen Röstphase kaum neue Röstaromen entstehen, dominieren die natürlichen, ursprünglichen Geschmacksstoffe der Kaffeebohne.
Typische Geschmacksnoten sind:
- fruchtige Nuancen (z. B. Zitrus, Apfel, Steinfrüchte),
- nussige Töne (Mandeln, Cashew),
- krautige und florale Akzente.
Ein weiteres Merkmal: die deutliche Säure. Da Säure erst bei längerer Röstung abgebaut wird, behält weißer Kaffee einen signifikanten Teil davon bei. Viele empfinden diese natürliche Säure als besonders frisch und erfrischend – vergleichbar mit einem belebenden Tee. Menschen, die empfindlich auf Säure reagieren, sollten allerdings vorsichtig sein.
Koffeingehalt – weniger spektakulär als behauptet
Lange Zeit wurde weißer Kaffee als „extrem koffeinhaltig“ angepriesen. Manche Hersteller und Händler warben sogar mit bis zu 50 % mehr Koffein im Vergleich zu herkömmlichen Röstungen.
Die Realität sieht anders aus:
- Durch die kürzere Röstung bleibt etwas mehr Koffein erhalten.
- Der tatsächliche Unterschied liegt jedoch bei etwa 5 %, nicht bei 50 %.
Damit enthält weißer Kaffee etwas mehr Koffein, aber nicht in einem Ausmaß, das ihn fundamental von herkömmlichen Kaffees unterscheidet. Trotzdem nutzen manche Marken diesen Effekt, um weißen Kaffee als eine Art natürlichen Energydrink zu positionieren – unterstützt durch seine helle, fast goldgelbe Farbe.
Zubereitung im Kaffeevollautomaten – warum das ein Problem ist
Eines der wichtigsten Themen beim weißen Kaffee ist die Frage der Zubereitung. Und hier gibt es eine klare Antwort: Im Kaffeevollautomaten hat weißer Kaffee nichts verloren.
Grund dafür ist die außergewöhnliche Härte der Bohnen. Durch die kurze, kaum durchdringende Röstung ist die Bohnenstruktur weit härter als bei normalem Röstkaffee. Die Bohnen sind teilweise so hart wie Kirschkerne.
Wer weißen Kaffee dennoch zubereiten möchte, sollte unbedingt Folgendes beachten:
- Eine Kaffeemühle mit robusten Stahlscheiben oder eine sehr leistungsstarke elektrische Mühle verwenden.
- Anschließend in einer geeigneten Methode wie French Press, AeroPress, Filterkanne oder klassisch jemenitisch im Kochtopf zubereiten.
Fazit
Weißer Kaffee ist eine spannende, geschmacklich außergewöhnliche Alternative zu klassischen Röstkaffees. Seine helle Farbe, die intensive natürliche Säure und die fruchtigen Geschmacksnoten machen ihn zu einem besonderen Erlebnis – vor allem für experimentierfreudige Kaffeeliebhaber. Allerdings ist der weiße Kaffee aufgrund seiner Härte nicht für Kaffeevollautomaten geeignet, da er Mahlwerke beschädigen kann. Wer ihn dennoch genießen möchte, sollte eine robuste Mühle verwenden und alternative Brühmethoden ausprobieren.
Bild: KI generiert


